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Ab 19. März 2017

 

Ausstellung – Eröffnung 19. März 2017

GLAS – Gravur & Skulptur

Teilnehmende Künstler:

Chrisch, Christian Schmidt, Zwiesel · Rainer Metzger, Frauenau · Stefan Stangl, Zwiesel

Alexandra Geyermann, Zwiesel · Michaela Swade, Kassel · Anne Wenzel, Flensburg

Gerhard Ribka, Irsee · Rüdiger Schmiedel, Bamberg

"Glas -Gravur und Skulptur" lautet der Titel der Ausstellung. Was so bescheiden daher kommt, beinhaltet ein großes Stück Kulturgeschichte der Menschheit. Physikalisch und chemisch betrachtet ist Glas eine unterkühlte Flüssigkeit, die in der Hauptsache aus Quarzsand, Kalk, Pottasche und Soda besteht und nach einem Schmelzprozess im Ofen nach ca. 12 Stunden verarbeitet werden kann. Glas ist ein Zufallsprodukt, ca. 4000 Jahre alt, und wahrscheinlich bei der Keramik- oder Metallherstellung entstanden, für das ebenfalls Feuer gebraucht wird. Ursprünglich ein Luxusprodukt, ist heute Glas allgegenwärtig. Denn heute ist Glas der Sammelbegriff für eine kaum überschaubare Zahl von Stoffen in verschiedensten Zusammensetzungen, individuellen Gemengen und unterschiedlichsten Herstellungsprozessen. Glas war schon immer ein Stück Alchemie. Glas ist nicht gleich Glas. Es ist transparent oder lichtundurchlässig, glänzend oder rau, klar oder blasig und milchig getrübt, farblos oder farbig, metallisch schimmern oder auch andere Werkstoffe imitierend. Glas ist unendlich vielfältig. Es lässt sich blasen, ziehen, quetschen, pressen, wieder verschmelzen. Die verschiedenen Techniken sind unüberschaubar, weshalb sich der Werkstoff Glas für den künstlerischen Gestaltungsprozess geradezu anbietet.

Was wir heute hier in der Galerie Max 21 von acht sehr verschiedenen Glaskünstlern zu sehen bekommen, hat nichts mit dem uns umgebenden Alltagsglas zu tun. Die ausgestellten Objekte sind durch Ofentechnik, Schliff, Gravur, Ätzung, Materialergänzungen oder Malerei bearbeitet, um das künstlerische Empfinden seiner Gestalterin oder seines Gestalters zum Ausdruck zu bringen. Es ist die Lust mit dem Werkstoff Glas zu spielen und diesen neu zu erfinden, was die hier versammelten Glaskünstler antreibt. Wie Sie schon auf der Einladungskarte erkennen konnten, kommen dabei Witz und Schalk nicht zu kurz. Die Künstler wissen aber auch sehr genau, was lässt der Werkstoff zu, was die jeweilige Glasart. Kreativität und technisches Know-how gehen Hand in Hand. Oft arbeitet der Künstler auch mit einem erfahrenen Glasmacher zusammen, um an sein Ziel zu gelangen. Denn, ein alter Glasmacherspruch lautet: Es ist ein unendlich Kreuz, Glas zu machen, was bedeutet, dass nicht selten ein Objekt wieder eingeschmolzen werden muss und der Prozess von neuem beginnt.

Zu den einzelnen Künstlerinnen und Künstlern:

Alexandra Geyermann aus Zwiesel verdanken wir es, das die Frau im Mittelpunkt steht. Bei ihren Arbeiten in Hoch- und Tiefschnitt, lässt sie sich von Geschichten und Gedichten von und über Frauen inspirieren. Da von ihr häufig beide Seiten einer Glasplatte künstlerisch bearbeitet werden, ergeben sich zwei verschiedene Seiten eines Blicks auf das Geschehen und damit häufig zwei verschiedene Sichtweisen. Oft erkennt man das Zusammenspiel der beiden Seiten erst bei genauerer Betrachtung. (Glasgraveurin und Glasgestalterin, Ausbildung Glasfachschule Rheinbach und Zwiesel)

Rainer Metzger aus Frauenau ist Maler. Seine Objekte entstehen in Graaltechnik. Dabei wird ein kleiner Glastropfen, ein Kölbel, bemalt, anschließend im Glasofen erhitzt, aufgeblasen, mit einer weiteren Schicht aus Klarglas überfangen und dann zum Gefäß geformt. Das Ergebnis ist dabei nicht sicher vorhersehbar, da die aufgetragene Farbe nochmals mit dem heißen Glas reagiert. Weich und unnahbar wirken die so im Glas entstandenen Gemälde. (Ausbildung zur Glasmalerei, Theresiental)

Gerhard Ribka aus Irsee gießt seine Figuren im Wachsausschmelzverfahren, ein Verfahren der plastischen Gestaltungsweise von Bronzebildhauern. Nur das Material ist verschieden. Anstelle von Metall nimmt er Pate de Verre, also Glaspaste. Nach dem Guss bzw. Schmelzen bearbeitet er seine Werke weiter. Diese Arbeit ist für seine Kunstwerke genau so wichtig wie der Guss. Dabei kombiniert er die Güsse häufig mit anderen Materialien, etwa Metall. Auch Reste der Gipsform bleiben häufig bewusst stehen, Bemalung verfremdet das Material Glas gänzlich und wirkt wie eine farbige Fassung. (Studium der Glasgestaltung am Royal College of Art, London, jetzt Lehrer an der Staatlichen Berufsfachschule für Glas und Schmuck Kaufbeuren-Neugablonz)

Christian Schmidt aus Zwiesel lässt vor unseren Augen durch seine Gravuren eine fantastische Welt entstehen. Manche der Szenen, die ihre Tiefe und Vielschichtigkeit durch die Verwendung von Mehrfachüberfanggläsern erreichen, erinnern an durchwachte Nächte, in denen abstruse Vorstellungen durch den Kopf geistern. Sehr subtil arbeitet er mit der Radgravur-Technik auch feinste Licht- und Schattenwirkungen heraus und erweckt so seine Fantasiewesen für uns zum Leben. (Glasgraveur, Glasfachschule Zwiesel)

Rüdiger Schmiedel aus Bamberg graviert nach alter böhmischer Tradition. Dabei werden traditionelle Entwürfe ebenso umgesetzt wie eigene. Sein Rohglas bezieht er ausschließlich aus dem Bayerischen Wald, auch für ihn nach wie vor ein Qualitätsmerkmal. Mit Geduld, ruhiger Hand und Kreativität setzt er die Entwürfe je nach gewünschtem Ergebnis in Tiefschnitt, Rutschtechnik, Mattiertechnik und Linientechnik um. (Glasgraveur, Fichtelgebirge)

Stefan Stangl aus Zwiesel gehört zur Künstlergruppe "Männerhaut". Unter dem Namen haben sich verschiedene Glaskünstler zusammengefunden, um miteinander zu arbeiten, aber auch voneinander zu lernen. Auch er ist im skulpuralen Bereich tätig und gießt bzw. verschmelzt. Er schneidet z.B. aus Fensterglas kleine Stäbchen, die er stehend in eine Form schichtet und miteinander verschmilzt. Oder auch aneinandergefügte Glasplatten werden miteinander verschmolzen. Durch Sägen, Schleifen und Polieren arbeitet er das transparente und nach Licht gierende Objekt heraus. (Glasgraveur, Glasfachschule Zwiesel)

Michaela Swade aus Kassel graviert. Aber auch bei ihr spielt die Kombination unterschiedlicher Materialien mit dem Werkstoff Glas eine wichtige Rolle. Diese Kombinationen wirken wie eine Erweiterung, wobei sich Glas und Fremdmaterial auf das beste ergänzen. Filigran und zerbrechlich wirken die Objekte und durch die Oberflächenbehandlung des Glases wird das Spiel von Licht und Schatten betont. (Glasgraveurin, Glasfachschule Zwiesel)

Anne Wenzel aus Flensburg schafft mit ihren Gravuren Arbeiten, die einem ein Schmunzeln abverlangen. Mit viel Fantasie setzt sie Themen aus Fabeln und Märchen um. Doch auch eigene Ideen, wie das ausgestellte Glas "sanitas per Aqua" setzen Alltagsbeobachtungen skurril auf Gläsern in Szene. Das Medium Glas wird auch bei ihr zum reinen Bildträger. Teils tief geschnitten, klar und matt geschliffen, erreichen ihre Arbeiten eine große Plastizität. (Glasveredlerin, Glasfachschule Hadamar)

Liebe Künstlerinnen und Künstler: in der Kürze der Zeit ist es nicht möglich ihnen auch nur annähernd gerecht zu werden. Kein Wort wurde gesagt über ihre Ausbildungen, Ihre internationalen Ausstellungen und Preise, Ihre Arbeiten in allen renommierten Glassammlungen und Glasmuseen der Welt, Ihre Lehrtätigkeiten. Nichts wurde gesagt über die Glasfachschulen, das Bildwerk Frauenau, die Begegnungen mit Erwin Eisch oder Harvey Littleton, zwei Begründern der Studioglasbewegung, die auch für viele von Ihnen von großer Bedeutung waren und sind. Aber, meine Damen und Herrn, es ist jetzt an Ihnen: die Künstler sind anwesend. Suchen Sie das Gespräch, denn, wer könnte Sie besser über die ausgestellten Kunstwerke informieren wie die jeweilige Künstlerin oder der jeweilige Künstler.

Und um nochmals auf den Schalk und die Freude am künstlerischen Gestalten zurück zu kommen, Essiggurkengläser eignen sich manchmal auch dafür. Wie man hier sehen kann: ein Unikat von Christian Schmidt, der hiermit beim 1. Theresienthaler Eisstock-Turnier den "Batza-Preis" verliehen hat. Verliehen wurde er an meinen Bruder als Trostpreis für sein klägliches Versagen. Und natürlich kann dabei ein über dem Eisstock fliegender Vogel nicht einfach nur fliegen, sondern er muss im Fluge sein Geschäft verrichten.

Nun bleibt mir noch, Ihnen viele interessante und anregende Gespräche mit den Anwesenden Künstlerinnen und Künstlerin zu wünschen.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit

Dr. Gisela Schlemmer, Kunsthistorikerin